Sounds der Woche Samiyam, Francis and the Lights, Spazzkid

«Don’t Worry, Be Happy» sang Bobby McFerrin 1988 fröhlich schnippend und machte uns alle für ein paar Momente glücklich (gut, irgendwann hatte man das Lied so oft gehört, dass es nur noch nervte, aber im Grunde war das Ganze ja gut gemeint). Jetzt hat uns Pharrell Williams einen Glücksbringer geschenkt: «Happy» heisst sein Song, der quasi universell und rund um die Uhr gültig sein soll (siehe eigene Website). Wahrlich nicht schlecht gemacht, aber auch dieser Song birgt die Gefahr des Totschläger-Effekts in sich. Das zweite Bewegtbild-trifft-Musik-Grossereignis der vergangenen Woche arbeitet eher mit dem Schaumschläger-Effekt. Oder es zeugt schlicht und einfach von einer veritablen Geschmacksverstauchung: Der Videoclip zu «Bound 2», notabene dem besten Track auf Kanye Wests aktuellem Album «Yeezus», ist nicht mehr als ein kitschiges Greenscreen-Machwerk mit galoppierenden Schimmeln, wippenden Titten, retuschierten Körpern und rosa Wolken. Da haben wir in unseren Top 3 der Woche weitaus besseres zu bieten.

Album der Woche:
Samiyam 
«Wish You Were Here»
Worte, Worte, Worte – in jedweder Form. Gesungen, gerappt, gemurmelt. Aber eigentlich sind der Worte zu viele. Wie inspirierend es sein kann auch einfach mal die Rhythmik sprechen zu lassen und das Fantasiezentrum zu stimulieren, demonstriert der in Kalifornien wohnhafte  Musikproduzent Sam Baker alias Samiyam. Mal sehr nah beim HipHop, mal eher in abstrakten, mehr seinem Kumpel Flying Lotus oder dem Hyperdub-Universum zuzuordnenden Gefilden unterwegs, demonstriert er auf seinem aktuellen Album «Wish You Were Here» stellvertretend für Dutzende von talentierten Neutaktern und Kopfkino-Produzenten wie man atmosphärische Beats herstellt. Es knistert, es scheppert, es rumpelt, es groovt, es unkt aus der Plattensammlung hervor. Und dann, zwischendurch, greifen er und seine wenige Gäste doch noch zum Mikrofon. Anspieltipp: «This L».

Francis and the Lights «Like A Dream»
Bleiben wir bei der Wahrheit: Musikexperte Schräder hatte zuvor noch nie von Francis and the lights gehört. Doch nun hat er gelernt, dass Francis Farewell Starlite, dieser Musiker und Produzent aus New York City, schon einige ungewöhnliche Dinge veranstaltet hat: Eine Art Proben-Protokoll auf Youtube, das ihn im Zeitraffer beim Klavierspielen zeigt zum Beispiel. Oder eine grosse Popshow – mit Licht und Schatten, grosssen Gesten und Liveband – ganz ohne Publikum. Ach ja: Nebenbei hat er auch Urban-Star Drake schon unter die Arme gegriffen.  In seinem neuen Clip tanzt er schnurstraks durch ein Feld, schwankt zwischen Traum und Wirklichkeit und lässt sich auch nicht davon abhalten, dass es gegen Schluss plötzlich Pestizide regnet. Grossartig.

Spazzkid «40 Winks»
Produzent Spazzkid stammt aus Manila, wohnt in LA und liefert uns aus Tokio diese in poetische Bilder verpackte Geschichte einer Japanerin mit ihrem Koffer. 

Auch interessant