Sounds der Woche Sébastian Tellier, The Internet und Kelela

Wenn einem langweilig ist, kann man entweder kreuz und quer durchs Internet streifen und nach neuer Musik Ausschau halten. Oder Candy Crush spielen. Oder man kann mal wieder den Zählerstand bei den Überhits der letzten Monate und Jahre ablesen: So steht «Bugatti» von Ace Hood feat. Future & Rick Ross – der Track, den man derzeit an jeder HipHop-Party hört – bereits bei 35,7 Millionen Klicks. Derweil geht Psy mit «Gangnam Style» schon stramm auf die Zwei-Milliarden-Marke zu (derzeit steht er bei 1,814 Milliarden Klicks – da müssen einige wohl noch immer regelmässig ihre tägliche Dosis benötigen oder krampfhaft versuchen die Galopp-Choreo endlich richtig hinzukriegen...). Und dann sieht man sich plötzlich mit der grosse Frage des Lebens konfrontiert: Wieso kommt Sébastien Tellier mit seinem Meisterstück «L’amour et la violence» bloss auf mickrige 1,159 Millionen Klicks? Will etwa niemand etwas über die Liebe erfahren?

Album der Woche: Sébastien Tellier «Confection»
Sébastien Tellier, der französischste aller Franzosen, der Chansonnier aller Chansonniers, der schweinischste Charmeur aller Zeiten (siehe «Cochon Ville»), hat ein neues Album veröffentlicht. Und fast möchte man sagen: Wenn immer der was macht, dann hat er sich hier einen Platz verdient, so schön spinnert und opulent mit Kitsch beladen ist der Herr. Da macht auch «Confection» keine Ausnahme. Es beginnt schon mit überzeichnetem Operngesang und sämigem Klavier. Und auch in der Folge widmet er sich eher der Filmmusik-Sparte, die er mit seinem Überhit «La Ritournelle» schon so erfolgreich bedient hatte, denn dem Chanson. Auch die Single «L’amour naissant» trabt schwelgerisch in diese Richtung. Bittersüss auch die Bilder dazu: Der Priester und die Nonne, sie finden nie zusammen, auch wenn sie noch so intensiv aufeinander zurennen. 

The Internet «Dontcha»
Das hier haben wir uns extra aufgespart. Wie einen mit Schokolade überzogenen Keks im Küchenschrank. The Internet, dieses Duo aus dem Umfeld der kalifornischen Skaterap-Querulanten von Odd Future, hat sich nicht nur den prägnantesten Namen der Neuzeit gegeben, sondern macht auch wunderbare Musik: Funky, soulhaltig, mit vielen Liveelementen, viel Raum, viel Ruhe, viel Beschaulichkeit. Und ja: Der NeoSoul von Erykah Badu und Konsorten stand bei ihrem Album «Feel Good» sicher auch Pate. Die Dame, die da singt, ist übrigens Syd da Kyd und auch als DJ und Produzentin aktiv. 

Kelela «Cut 4 Me»
Von Kelela Mizanekristos, kurz Kelela, gibt es – noch! – kaum Bewegtbild (deshalb als Video dieser Ausschnitt einer Live Performance). Dabei ziehen ihre Stücke immer weitere Kreise. Auf Tuchfühlung mit dem aktuellen Klubgeschehen und Beatmakern wie Nguzunguzu (die übrigens, mit «Skycell»jüngst auch ein eigenes neues Werk mit forsch marschierenden Basslines veröffentlicht haben) oder Bok Bok bewegt sich die in Maryland aufgewachsene und nun in Los Angeles angesiedelte Sängerin auf ihrem Debütmixtape «Cut 4 Me» zur Freude der Netzgemeinde entspannt durch ein hyperurbanes Ambiente. Ihre Stimme klinge wie der Dampf, der aus einem U-Bahn-Schacht aufsteige, schrieb ein Fachmagazin. Wir glauben: Es ist eher die Haltung und der Kontrast aus Hektik und Besonnenheit, Synthetik und Natürlichkeit, der diesen Sound ausmacht. Besonders schön: das Titelstück «Cut 4 Me». Das ganze Mixtape in einem Schnurz gibt’s hier zu hören.

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