Sounds der Woche Shuggie Otis, Erlend Øye und Solange Knowles

Das entspannte Pluckern eines alten Drumcomputers ertönt. Eine E-Gitarre akzentuiert gelassen. Bald segeln Streicher- und Flötenklänge über das Rhythmusfundament. Und ein Sänger lässt sich durch die Schwaden eines wohligen Rausches treiben. Das Seltsame daran: Irgendwoher scheint jeder diesen Groove zu kennen...

Album der Woche: Shuggie Otis «Inspiration Information»/«Wings of Love»
Die Musik des kalifornischen Musikers Shuggie Otis ist uns allen schon mal begegnet. Sei es im Original – sprich den Aufnahmen, die Otis zu Beginn der Siebziger gemacht hat – , sei es in Form von Coverversionen («Strawberry Letter 23», sein bekanntestes Lied kennen die meisten nur in der Version von The Brothers Johnson), sei es in Form von von HipHop-Stücken, die sich seiner Stücke bedienen. So ist zum Beispiel «Aht Uh Mi Hed», das oben angesprochene Lied, vielen einzig als Grundlage von «Liebes Lied», dem Nr. 1 Hit der deutschen Rapgruppe Beginner, bekannt. Aber auch grosse internationale Künstler wie Beyoncé oder Outkast bedienten sich – selten zur Freude des heute 59-Jährigen – an seinem Repertoire. Seit einer Weile sind mit «Inspiration Information» und «Wings of Love» zwei seiner besten Alben als Doppelalbum wieder über Sony Music erhältlich. Und der Meister selbst, der jahrzehntelang in Vergessenheit geraten war und dazu mit Suchtproblemen kämpfte, tourt wieder. So war er zum Beispiel diesen Juli am Montreux Jazz Festival zu Gast, warf zu Beginn seines Konzerts Konfetti und Luftballone ins Publikum und offenbarte dann – nach reichlich viel Geschwätz – doch noch, was für ein brillianter Arrangeur und Melodiker in ihm steckt. Einer, der Blues zu einem souligen, orchestralen Ereignis machen kann. Nachzuhören auf ebendiesen Alben. Anspieltipp: «Inspiration Information»

 

Zum Vergleich: «Liebes Lied» von den Absoluten Beginner


Erlend Øye «La Prima Estate»
Die Leichtigkeit und Behutsamkeit, mit welcher der Norweger Erlend Øye seine Stimme einsetzt, sind unverwechselbar. Jahrelang stellte er diese Eigenschaften in den Dienst der Melancholie und Sehnsucht und lieferte mit den Kings of Convenience vom hohen Norden aus akustischen Pop unter dem Motto «Quiet Is The New Loud». Später siedelte er nach Berlin um und spielte mit der Indie-Pop-Band The Whitest Boy Alive in allen angesagten Tanzschuppen Europas. Letztes Jahr ist der quirlig-nerdige Sänger zu seiner Herzdame Lucia in die sizilanische Stadt Syrakus gezogen. Mit «La Prima Estate» liegt nun ein erstes Zeugnis seiner erworbenen Italienischkenntnisse vor. Und ein Italo Pop Sommerhit erster Güte. So gut und so passend zu den aktuellen Gegebenheiten, dass wir die Veröffentlichung des richtigen Videoclips nicht mehr abwarten mögen.


Solange Knowles «Don’t Let Me Down»
Um den dritten Platz im Schnellboot zu Ruhm und Ehre gab es diese Woche ernsthaftes Gerangel: Zum Beispiel haben die Kings of Leon mit «Supersoaker» neues Bewegtbildmaterial veröffentlicht und das britische Duo AlunaGeorge hat mit einer Live Session ein weiteres Mal auf sich aufmerksam gemacht. Oder Childish Gambino. Auch die Gruppe London Grammar, die aktuell fast ein bisschen zu bedeutungsschwangere Bilder zu ihrem Song «Strong» präsentiert, gilt es im Auge zu behalten. Schlussendlich hat sich die unbestechliche Jury allerdings für einen älteren Clip mit Jetztbezug entschieden: Solange Knowles, die jüngere, nachbahrere und langsam aber sicher geschmackssicherere Schwester der grossen Beyoncé, hat ihre gesamten EuropaAuftritte für August abgesagt. Der Grund: Sie sei erst gerade in eine neue Stadt umgezogen, habe einen Sohn im Schulalter und arbeite an einem neuen Album. Wie menschlich.

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