Buchtipp «Halb so wild» Ums Totenbett kreisen die Geier

Wem gehört der Tod eines Promis? Der gallig-böse und brillante Roman «Halb so wild» beobachtet die lieben Verwandten eines Gross-Schriftstellers am Totenbett.
«Halb so wild», David Baddiel, Verlag Blessing
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«Halb so wild», David Baddiel, Verlag Blessing.

Letzte Woche im Literaturclub des Schweizer Farbfernsehens nahmen die klugen Kritiker das Wort «Unterhaltung» mit soviel Widerwillen in den Mund, als wärs giftig wie Batteriensäure, zu vermeiden wie Grippe-Bazillen. Es ging um Joël Dicker, den Westschweizer Autor und sein Buch «Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert» (Piper), das die Bestseller-Listen erobert. «Gute Unterhaltung» war so etwa das Netteste, was die illustre Runde zu dem Buch zu sagen hatte. Wir sehen das lockerer, wir schätzen es, wenn eine Geschichte uns unterhält. Wer also mit dem dicken Dicker schon durch ist - und ihn gemocht hat - dem sei «Halb so wild» von David Baddiel (Verlag Blessing) empfohlen. Die rabenschwarze Geschichte dreht sich Eli Gold, 92. Der grösste Autor der Welt liegt im Mount-Sinai-Spital in New York im Koma, lange wird er es nicht mehr machen. Seine lieben Verwandten sind angereist, warten auf das Ableben von Eli Gold und balgen sich dabei quasi um die Front-Row am Totenbett. Da sind seine achtjährige Tochter, die mit kindlich klaren Worten das Geschehen um ihren prominenten Daddy schildert. Da ist seine fünfte und letzte Frau, die sagt, wer ins Krankenzimmer darf und wer nicht (Bill Clinton und Philip Roth dürfen, sonst wenige). Da ist Harvey, einer von Elis Söhnen, der als Ghostwriter Biografien für C-Promis schreibt und sich mit seiner Sexual-Neurose herumplagt. Und da ist ein Ex-Schwager, ein mormonischer Fundamentalist, der einen späten letzten Racheakt an Eli plant. Der Bite David Baddiel versammelt herrlich kuriose Gestalten ums Totenbett des fiktiven Weltklasse-Autors und rollt anspielungsreich dessen Leben auf. Very funny und sehr unterhaltsam! Einziger Wermutstropfen: der halbwilde Titel. Das Original («The Death of Eli Gold») gefällt uns viel besser, weil treffender. Aber vielleicht dachte man, dass sich Tod nicht so gut verkauft?!

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