Filmtipps «Mandela» & «Der Goalie bin ig» Kämpfen, gewinnen, verlieren

Zwei Lebensgeschichten von Kämpfern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: «Mandela - Long Walk To Freedom» zeigt, wie ein einzelner Mann die Weltgeschichte verändert hat, im «Der Goalie bin ig» lernen wir einen liebenswerten Loser aus der Provinz kennen. Beiden Filmen gemeinsam unser Prädikat «Unbedingt sehenswert!»
Endlich frei: Nelson Mandela (Idris Elba).
© Pathé Films

Endlich frei: Nelson Mandela (Idris Elba).

«Mandela - Long Walk To Freedom»

«Ich habe meine Frau seit 21 Jahren nicht mehr berührt.» Einen solchen Satz vergisst man nie wieder. Wenn sich dann der ergraute Nelson Mandela (Idris Elba) und seine Winnie (Naomie Harris) im Besucherraum des Gefängnisses die Hände reichen, läufts einem kalt über den Rücken. Und ein dicker Kloss drückt im Hals, wenn aus zig Tausenden Kehlen im Londoner Wembley-Stadion das Lied «Free Nelson Mandela» dröhnt, anlässlich zum 70. Geburtstag des Freiheitskämpfers anno 1988 - da sass er schon 24 Jahr hinter Gittern. 

Mandela (Idris Elba, Mitte) war 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis.
© Pathé Films

Mandela (Idris Elba, Mitte) war 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis.

Mandelas Geschichte, so wie sie der Film «Mandela - Long Walk to Freedom» nacherzählt, lässt niemanden kalt. Selten haben wir uns im Kino (wie auch im wahren Leben) über ein Happy End so gefreut - und uns nochmals fremd-geschämt für all die Politiker dieser Welt, dass es so lange auf sich warten liess. Man muss nicht über jeden Staats-Chef und Nobelpreisträger Bescheid wissen, Mandelas unglaubliche Geschichte gehört aber zur Allgemeinbildung. Die grösste südafrikanische Filmproduktion je ist lebendiger Geschichtsunterricht, wie wir ihn uns wünschen. Und Idris Elba («The Wire», «Prometheus») beweist als Mandela grosse Klasse.  Ein Interview mit dem Golden-Globe-Gewinner über die schwerste Rolle seiner Karriere lesen Sie in der aktuellen SI Style.

«Der Goalie bin ig»

Der Goalie (Marcus Signer) spürt bei Regula (Sonja Riesen) Schmetterlinge im Bauch.
© Ascot Elite

Der Goalie (Marcus Signer) spürt bei Regula (Sonja Riesen) Schmetterlinge im Bauch.

Die Geschichte vom Goalie ist vielleicht nicht wahr (ob sie's ist, weiss nur Autor Pedro Lenz), aber sicher exemplarisch. Wie man Freunde und Liebe gewinnt und verliert, erfährt leidvoll der Ex-Knasti und Ex-Junkie, den in seinem Heimat-Kaff alle Goalie nennen. Junkie? Knasti?? Kaff??? - nicht eben die Milieus, die uns ins Kino locken, denkt sich manch einer. Falsch! «Der Goalie bin ig» ist für den Schweizer Film und uns Kinogänger ein Glücksfall. Neben der melancholischen Story und dem akribisch rekonstruierten 80-er-Jahre-Groove überzeugen vor allem die grossartigen Schauspieler, allen voran Marcus Signer in der Titelrolle. Sein Verdienst ist es,  dass wir die Loser-Figur, diesen sympathischen Vierkant, sofort ins Herz schliessen und ihm sein kleines Glück mit der Dorfsputen-Servierdame Regula (Sonja Riesen) gönnen würden. Aber äbä…s'Läbä meints nid so guet mit em Goalie.

Das Buch zum Film und Titelsong von Züri West

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