Buchtipp «Pest & Cholera» Der Schweizer, der Coca Cola erfand

Dank des französischen Autors Patrick Deville und seines Schweizer Verlegers Ricco Bilger lernen wir einen grossen unbekannten Waadtländer kennen, den sich kennenzulernen lohnt. Alexandre Yersin hat als erster Mensch einen Pestkranken geheilt und ein Serum gegen den Schwarzen Tod entwickelt. Nachzulesen in «Pest & Cholera» (Bilgerverlag, Reihe fleurs de benbil).
Cover Pest & Cholera
© Bilgerverlag

Cover des Buchs «Pest & Cholera» von Patrik Deville, Bilgerverlag.

Ein Buch mit so einem düsteren Titel klingt nach Jammer und Elend, Tod und Verderben. Nicht gerade ein Hinlanger. Das zarte Pflänzchen auf dem Umschlag hilft wohl auch nicht viel, Leser zu ködern. Hoffentlich hilft unsere dringende Empfehlung, das packende Buch unter die Leute zu bringen. Die Lebensgeschichte des Alexandre Yersin (1863-1943) aus Morges ist so spannend und unglaublich, dass man darüber jeden Krimi vergessen kann. Auf der Spur des Forschers, Seefahrers, Geografen, Landwirten und Abenteurers reist man um die halbe Welt, zu einer Zeit, als diese noch aus vielen weissen Flecken bestand, wandelt durch exotische Städte und Landschaften, die heute touristische Traumziele sind, blickt einem Bakteriologen und Jünger von Pasteur über die Schulter ins Mikroskop, entdeckt mit ihm das Pestvirus und verzweifelt an seiner Stelle fast, als er für einen Freund ein zimtgesüsstes
Getränk auf Basis von Kokain (Co für Cocain, Ca für Canelle) mixte und unterliess, dafür ein Patent anzumelden. Der Franzose Patrick Deville erzählt die Vita des grossen, von der Geschichte vergessenen Waadtländers in einem unaufgeregten Ton und bettet Yersins fantastisches Leben in die Wirren eines verrückten halben Jahrhunderts ein, wie das nur ein grosser Literat fertigbringt.

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